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die wahl donald trumps hat mich tief getroffen und ich habe in diesem zusammenhang in den letzten wochen und monaten – gespeist von zahlreichen gesprächen, quellen und begebenheiten – eine sichtweise entwickelt, die ich gern mit euch teilen möchte. ich würde mich sehr freuen, wenn ihr euch die zeit nehmt, euch meine gedanken durchzulesen und wenn ihr mir antwortet – kriese (at) posteo (punkt) de. ich würde mich auch sehr freuen, wenn ihr sie auf verschiedenen wegen weiter verbreitet. der text ist auch in form eines etherpads zu finden: https://piratenpad.de/p/trump // er ist vielleicht noch etwas unfertig, die gedanken noch längst nicht vollständig ausgereift, aber es war mir sehr wichtig, das heute rauszuschicken.

zur zeit bin ich in sao paulo und spreche hier viel mit den menschen über die politische und wirtschaftliche krise brasiliens und über phänomene, die gerade global wirksam zu sein scheinen: das aussterben des klassischen journalismus, die extreme polarisierung in politischen fragen und die rolle der sozialen netzwerke in politischen prozessen.

ich sehe die wahl von donald trump nicht als isoliertes ereignis, sondern als teil eines grösseren meta-phänomens, einer weireichenden entwicklung, einer verschiebung in der ordnung des öffentlichen diskurses. der erschütternde wahlsieg steht, so sehe ich es, in zusammenhang mit phänomenen wie der idiotischen brexit-kampagne (auch dort standen die prognosen vor der wahl gegen einen brexit, nach der wahl waren viele schockiert), dem aufstieg einer selstamen neuen rechten in deutschland und dem bizarren amtenthebungsverfahren gegen die brasilianische presidentin dilma rousseff (1). sie sind verbunden, so scheint es mir immer mehr, durch eine gemeinsame ihnen zugrunde liegende dynamik.

in allen diesen fällen betreten sprecher die bühnen des öffentlichen dikurses, die lächerlich wirken, deren reden offensichtlich nicht fundiert sind, die aus einer bestimmten perpektive betrachtet sogar wie eine parodie wirken, die aber dennoch gewaltige aufmerksamkeit auf sich ziehen und infolge dessen in der lage sind, die öffentliche meinung und die politischen prozesse auf eine weise zu prägen, die ihre kritiker*innen ihnen niemals zugetraut hätten. das hohnlachen und lästern vor der wahl verwandelt sich nach der wahl in ein lachen der verzweiflung.

natürlich wirken in allen diesen fällen – es liessen sich noch weitere aufzählen – komplexe eigene dynamiken und sie sind nicht direkt vergleichbar. dennoch vermute ich, dass wir es mit einer übergeordneten entwicklung zu tun haben. es findet eine verschiebung in der öffentlichen kommunikation statt: die sozialen netzwerke haben sich von einem ort der banalen geselligkeit zur einem gigantischen filter-mechanismus gewandelt, durch den wir die welt gerichtet wahrnehmen und in dem wir gelenkt miteinander sprechen. erst vor kurzem war ich auf einer veranstaltung, auf der ein journalist anwesend war, der völlig selbstverständlich erzählte, dass facebook sein hauptsächliche informationsquelle ist. gleichzeitig werden seine texte vor allem über soziale medien verbreitet. sowohl die informationen, die er erhält, als auch die informationen, die er sendet laufen also durch die filter und algorithmen einer organisation, die als digitales freundschaftsbuch angefangen hat, inzwischen aber ein meta-medien-konzern geworden ist. die tatsache, dass sowohl sein input, als auch sein output durch die filter und algorythmen des netztwerks sortiert wird, ist entscheidend: weil diese filter nicht neutral sind! sie sind darauf abgestimmt, möglichst viel aktivität zu generieren und menschen möglichst lange innerhalb des netzwerks zu halten. da die haupt-einnahmequelle auf fein ausdifferenzierte personengruppen ausgerichtetes „targeted advertising“ ist, besteht zudem ein grosses interesse daran, dass sich die nutzer*innen des netzwerks in immer feinere hermetische gruppen ausdifferenzieren. durch strafen und belohnungen mithilfe von aufmerksamkeitsentzug oder aufmerksamkeitsüberflutung kann das system seine nutzer dahingehend erziehen. ich sehe hier zwei wirkmächtige effekte:

1. HAUPTSATZ GEDANKEN

damit die kommunikation schnell fliessen kann, damit sie innerhalb der „streams“ sichtbar ist, damit sie „sharable“ ist, muss die sie einfach sein. da die anzahl an zeichen limitiert und die aufmerksamkeitsspanne so gering sind, wird oftmals in hauptsätzen kommuniziert. das meine ich nicht strenggenommen grammatikalisch. ich meine, dass oftmals aussagen verbreitet werden, die nicht nuanciert und ausgewogen sind, sondern die einen komplexen sachervalt fälschlich vereinfachen. oftmals beinalten diese aussagen ein urteil über eine person, um sie als karrikiert als böse darzustellen.

ein extremes beispiel hierfür ist die aussage von donald trump, hillary clinton und barack obama hätten isis gegründet, die er nach einem grossen aufschrei zurücknahm, diese zurücknahme später aber wieder relativierte. die aussage bietet einen fälschliche vereinfachung eines komplexen sachverhalts an und stellt die grundsätzliche bosheit einer person „crooked hillary“ als ursache dar. diese aussage ist  mit grosser kognitiver leichtigkeit (2) wahrnehmbar, sie befreit uns aus der komplexität von zusammenhängen, bei denen nicht einfach ein menschlicher akteur „gut“ oder „böse“ handelt (was wir leicht verstehen), sondern in denen verschiedenste dynamiken zusammenwirken (was wir schwer verstehen). deswegen ist es eine beliebte politische strategie im „perception management“ eine person als einen erzschurken darzustellen, dessen bekämpfung die lösung für komplexe probleme bietet.

zudem ist trumps these – auf eine widerliche art – doch auch irgendwie unterhaltsam. unabhängig davon, ob sie geglaubt wird, ist diese aussage gutes entertainment. das ist entscheidend, weil die youtube-videos, tweets und facebook-post der kampagne neben katzenfotos, intimen details von bekannten und allen möglichen celebrites bestehen müssen (3). ein bewährter weg die aufmerksamkeit in sozialen netzwerken zu gewinnen, ist es also, kurze unterhaltsame sätze zu verbreiten, die einfach sind und die einen hohen unterhaltungswert haben.

DIESE DYNAMIKEN WERDEN NICHT BLOSS DURCH MENSCHLICHE AKTEURE ERZEUGT, SONDERN VOR ALLEM DURCH DAS ZUSAMMENSPIEL ZIWSCHEN MENSCHLICHEN UND NICHT-MENSCHLICHEN AKTEUREN. ES SIND DIE KOMMUNIKATIONS-REGELN UND DIE FILTER-ALGORITHMEN DES NETZWERKS, DIE DIESE VERFLACHUNG DER GESENDETEN BOTSCHAFTEN BESTÄRKEN. ÄHNLICH WIE DIE COMPUTERNETZWERKE IN KOMPRIMIERTEN DATENPAKETEN MITEINANDER KOMMUNIZIEREN, WERDEN WIR DAZU VERANLASST IN VEREINFACHTEN „SINN-PAKETEN“ MITEINANDER ZU SPRECHEN, UM BESSER MIT DEN NETZWERKEN KOMPATIBEL ZU SEIN.

2. FILTER-BUBBLES

ein weiteres phänomen ist das der filter-bubbles. menschen lesen im netz lieber das, was ihre meinung bekräftigt. eine aussage zu lesen, die mein weltbild bestärkt, erzeugt kognitive leichtigkeit, sie ist einfach zu verarbeiten, ich geniesse sie. deswegen macht es mir doch so einen spass ein john oliver (4) video zu schauen und deswegen rastet sein publikum so aus vor freude – weil er energisch die weltsicht seiner zuhörer bestärkt. jemand der seine meinung nicht teilt, wird seine sendung nicht als unterhaltsam empfinden. da er also nur zu gleichgesinnten spricht, bleibt seine kritik wirkungslos. sie zirkuliert in einem geschlossenen kreislauf. seine geniale rhetorik, sein ehrliches schreien, die scharfsinnige dekonstruktion der argumente seiner politischen gegegner, verfehlen ihre wirkung, weil sie die nicht erreichen, die sie erreichen sollten.

und wir beobachten in unsererm offline leben doch oftmals das gleiche. wir machen antikapitalistische performances vor antikapitalistischen performancekünstlern, wir freuen uns darüber, dass wir ständig leute kennen lernen, die unsere differenzierten meinungen begeistert teilen (sogar wenn wir auf die andere seite der welt fliegen), wir fühlen uns wohl und aufgehoben in kleinen tribes, die uns in unserem gestus und in unserer politischen haltung überaus ähnlich sind.

AUCH DIES IST EINE DYNAMIK, DIE VON NICHT-MENSCHLICHEN INTELLIGENZEN ENTSCHEIDEND MIT-VERURSACHT WIRD. DIE ALGORHYTMEN LERNEN IMMER BESSER, WAS WIR „LIKEN“ – SIE ANALYSIEREN AUCH ALLE UNSERE EMOJIS – UND HABEN GROSSES INTERESSE UNS DIE BERUHIGENDE UND GENUSSVOLLE BOTSCHAFT ZUZUZSPIELEN, DASS DIE WELT GENAU SO IST, WIE WIR GLAUBEN, DAS SIE IST. WIR SEHEN UND SELBST UND FREUEN UNS, UNS WIEDER ZU ERKENNEN (5).

dieser fanatische narzissmus, der auch in der explosionsartigen verbreitung von „selfie-sticks“ erkennbar ist, ist deswegen so gefährlich, weil er uns voneinander isoliert. wenn ich nur noch mit denen kommuniziere, die meine spiegelbilder sind und nur die unterhaltsamen informations-produkte konsumiere, die mich angenehm meiner selbst versichern, kann keine gesellschaftliche kommunikation stattfinden. was messbar stattfindet, ist eine zunehmende polarisierung in politischen positionen und eine spaltung der gesellschaftlichen lager, die so tief ist, das ein gespräch gar nicht mehr zustande kommen könnte. dieses phänomen könnte auch ein grund dafür sein, warum die kritischen intellektuellen beobachter*innen oftmals so schockiert sind, wenn jemand, der für sie wie ein diabolischer clown scheint, eine wahl gewinnt.

natürlich bestanden diese beiden phänomene schon zuvor, aber sie werden durch instanzen verstärkt, beschleunigt und inteniviert, deren wirkmacht alles übersteigt, das uns bisher bekannt ist. wir wissen ja gar nicht, womit wir es zu tun haben. wir können es gar nicht wissen. noch vor zehn jahren hatte kein mensch ein smartphone oder einen facebook-, twitter- oder instagram-acount. heute bestimmen diese kommunikationsform fast jeden aspekt unseres lebens, unseres arbeitens und unseres denkens. ihre rasante ausbreitung und ihre stets zunehmende macht ist aber kein historischer zufall, sondern ist geplant und gerichtet.

die „disruption“ der vor-digitalen formen der kommunikation und des lebens ist einerseits ein bewusst veranlasster und vorangetriebener prozess, hängt andererseits mit der maschinischen eigendynamik „digitalen revolution“ zusammen – die aber bisher nicht wie eine „wacht auf, verdammte dieser erde“-revolution wirkt, sondern wie eine revolution alla „atlas shrugged“ (6). wir haben die ersetzung der klassischen „schallpaltten-industrie“ durch mp3, dann durch streaming-dienste erlebt, wir beobachten die zerstörung der lebensgrundlage von tausenden, vielleicht millionen taxifahrer*innen durch uber, die destabilisierung der wohnungs-märkte und hotel-märkte durch airbnb und das aussterben von zeitungen, die ein entscheidender teil der politischen meinungsbildung waren, weil leute auf ihren telefonen lieber quadratische bilder ansehen. und das alles weltweit!

das internet hatte zu seiner entstehung das potential ein non-hierrachischer raum zu sein, in dem verschiedenste positionen frei von einem punkt im netzwerk zum anderen wandern konnten. was wir aber beobachten, ist eine schwindelerregende hierrarchisierung des netztes. eine vielfalt von suchmaschinen wird faktisch durch eine ersetzt. eine pluralität von (oft lokalen) sozialen netzwerken wird durch einige wenige ersetzt. anstatt zwischen hundert taxi-unternehmen zu wählen, kann ich einfach auf die eine uber-app gehen. anstatt zwischen tausend hotels zu wählen, gehe ich einfach auf airbnb. einfach – dieses wort ist entscheidend. in einer welt, die unüberschaubar komplex geworden ist, schreit unser von „decision fatigue“ (7) geplagtes gehirn: EINE EINFACHE LÖSUNG BITTE, EINE EINFACHE ANTWORT BITTE, EINE EINFACHE ENTSCHEIDUNG BITTE. dabei ist es uns egal ob diese einfache entscheidung unethisch, vereinfachend oder schlichtweg falsch ist, sofern wir nur das gefühl der sicherheit und klarheit zurückerhalten, das uns in einer schwindelerregend verwirrenden welt abhanden gekommen ist.

auch wenn die wahl von donald trump schockierend und beunruhigend ist, vermute ich – und deswegen schreibe ich das hier alles – dass dieses ereignis bloss ein alarmierendes symptom einer tendenz ist, die das potential hat, uns in ein zeitalter von diktaturen zu führen, die an der oberfläche mit unterhaltsamen theatralen effekten spielen, aber darunter teil eines weitreichenden systems sind, das uns nach und nach unserer fähigkeit beraubt, die welt als komplexes geflecht zu verstehen und miteinander zu reden. in einer zeit, in der das langsame aufwachen einer ernstzunehmenden nicht-menschlichen intelligenz schrittweise voranschreitet, ist bei der kollektiven menschlichen intelligenz zu beobachten, dass wir synapsen kappen, hirnareale isolieren und unsere fähigkeit verlieren, komplexe gedanken zu fassen. da ein ausgewogener und nuancierter dialog, der die welt in ihrer verwirrenden pluralität bespricht, ein entscheidender aspekt einer demokratischen gesellschaft ist, laufen global wir gefahr in eine zeit ohne demokratie abzurutschen in der – aus hybriden zwischen menschlichen und nicht-menschlichen intelligenzen – neue formen der herrschaft entstehen werden, die wir uns jetzt noch nicht einmal erträumen können. aber ein alptraum könnte bevorstehen.

ähnlich wie im zwanzigsten jahrhundert ein geschicktes bespielen der neu aufkommenden massenmedien (radio, kino, fernsehen) ein entscheidender faktor für die „machtergreifung“ faschistischer unrechts-regimes war, so kann im einundzwanzigsten jahrhundert ein taktisches bespielen der neu aufkommenden formen der kommunikation authoritären kräften weltweit dazu verhelfen, an die macht zu gelangen und dort zu bleiben. da diese netzwerke selbst oftmals die form von hierarchisch organisierten monolithen annehmen, ist stark zu befürchten, dass sie die entstehung von gleichgeschalteten und despotischen politischen systemen begünstigen.

diese entwicklungen haben durchaus das potential uns fassungs- und bewegungslos zu machen. um mich selbst aus dieser lähmung zu begeben, werde ich hier einen vorschlag machen:

wenn wir dieser tenzenz irgendetwas entgegensetzen wollen, müssen wir jetzt damit beginnen, auswege zu suchen. es wird ein breites bündnis verschiedenster gesellschaftlicher akteure nötig sein, die koordiniert wirken, um inseln des widerstands zu bauen und aufrecht zu erhalten, von denen ein grösserer wandel ausgehen könnte. wir müssen über unsere filter-bubbles hinausgreifen und beginnen komplexe verständigungs-prozesse mit leuten zu üben, die nicht unserer meinung sind. wir müssen die teilungen überwinden, die uns – selbst in kritischen kreisen – verunmöglicht mit einander zu sprechen und gemeinsam nach konkreten entwürfen für die zukunft suchen, die dieser bedrohlichen tendenz etwas entgegensetzen.

ich habe diesen text auch auf ein etherpad gestellt. dort könnt ihr ihn gerne umschreiben, ergänzen und kommentieren. https://piratenpad.de/p/trump

ausserdem würde ich mich gerne mit einigen leuten treffen, um über das hier zu sprechen. wenn ihr interessiert seid, gebt mir doch hier per mail bescheid. dann organisiere ich in den nächsten wochen ein treffen.

der text ist stark von adam curtis neuem filmischen essay „hypernormalisation“ geprägt, in dem er den aufstieg von donald trump, wladimir putin und des „islamischen staats“ zeigt und die zwiespältige rolle spricht, die das internet in den politischen prozessen der gegenwart gespielt hat. hier ist ein trailer: https://www.youtube.com/watch?v=nz6u7xRznjY // hier ist der gesamte film: https://www.youtube.com/watch?v=-fny99f8amM // sollte er nicht mehr verfügbar sein, gebt bescheid, dann lasse ich ihn euch anders zukommen.

(1) nach dem die arbeiterpartei brasilien (pt) millionen menschen im land aus der armut verholfen hat, nach jahren des vorher nie dagewesenen wirtschaftlichen aufschwungs, nachdem das land sich grundlegend verändert hatte und eine stärker politisierte mittelschicht enstanden war, begann im zuge einer wirtschaftlichen rezession eine kampagne gegen die arbeiterpartei und im besonderen masse gegen die erste weibliche präsidentin des landes dilma rousseff. es ist auch jetzt, nachdem sie ihres amtes enthoben wurde, schwer zu sagen, was sie sich hat genau zu schulden kommen lassen. der juristische grund ihrer amtsenthebung war eine bürokratische nichtigkeit. ihre gegner hingegen, die das amtsenthebungsverfahren angezettelt hatten, sind inzwischen zum teil wegen schwerer korruption verhaftet worden. auf den grossen demonstrationen, die (wie so viele vergleichbare ereignisse der letzten jahre) über soziale medien organisiert worden waren, waren weniger argumente zu vernehmen, als aussprüche wie „fora dilma“ („dilma raus“) oder „tschau querida“ („tschüss liebe“). viele menschen, mit denen ich hier geredet habe, sehen das ereignis als einen medialen staatsstreich. brasiliens geschichte ist reich an coups. bei den protesten gegen die präsidentin auf der avenida paulista (dem ökonomischen herz des landes), hielt ein demonstrant ein schild hoch, auf dem stand „eine militärische intervention ist nötig“. offensichtlich hatte er unrecht. heute scheint es möglich zu sein, die öffentliche meinung durch allein kommunikations-strategien kippen und dadurch tiefgreifend politisch zu wirken. ähnlich wie zuvor die militärcoups gegen als „zu sozialistisch“ wahrgenommene präsidenten, ging auch diese bewegung von der industriellen oberschicht aus, der es gelungen ist, die ärmeren teile bevölkerung, obwohl sie massiv von den massnahmen der arbeiterpartei profitiert hatten, davon zu überzeugen, dass eine rechte regierung für sie besser sei. an die macht gekommen ist ein alter weisser mann aus einer konservativen partei.

(2) entnommen aus „schnelles denken, langsames denken“ von daniel kahnemann. (https://de.wikipedia.org/wiki/Schnelles_Denken,_langsames_Denken) / hier ist eine kurze erklärung des phänomens: https://de.wikipedia.org/wiki/Verarbeitungsfl%C3%BCssigkeit

(3) in diesem zusammenhang ist es bemerkenswert, dass donald trump nicht nur der star einer eigenen fernsehshow war, sonder bereits zuvor in zahlreichen filmem und serien kurz auftauchte. diese auftritte sind dabei so kurz – oftmals sagt er nur ein satz und verschwindet dann wieder – das sie lediglich unterstreichen, dass er eine berühmte person ist, die überall anwesend ist. hier eine unvollständige reihe seiner auftritte: https://www.youtube.com/watch?v=yosAVMB47-Y

(4) hier seine erste folge zu donald trump: https://www.youtube.com/watch?v=DnpO_RTSNmQ

(5) eine extremes beispiel für diese tendenz der digitalen technologie und genuss und sicherheit und genuss zu verschaffen, indem sie uns auf uns selbst zurückspielgelt ist die installation „timeshifting maze“ des künstlerkollektivs „visual pilots“. die besucher*innen werden durch ein labyrinth geführt, in dem sie auf projektionsflächen immer wieder sich selbst zurückgespiegelt bekommen – teilweise zeitversetzt oder vervielfacht. auf der videodokumentation ist eine euphorische begeisterung bei den menschen zu erkennen (die vielleicht nicht wussten, dass das video später im internet veröffentlicht werden würde und sich mit sich selbst allein fühlten): visualpilots.com/portfolio/time-shifting-maze/

(6) Roman von Ayn Rand. Gilt als eine Bibel des Kapitalismus neoliberaler Prägung: https://en.wikipedia.org/wiki/Atlas_Shrugged

(7) https://en.wikipedia.org/wiki/Decision_fatigue

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8 Kommentare zu “gedanken zum wahlsieg donald trumps

  1. Sehr gerne dabei bei einem Treffen. (Wo?) Zusammenlegen um den Text aus englisch zu übersetzen!

  2. Ich habe Deinen Text geteilt …. bei facebook…. und damit die Maschinerie bedient, die Du so ausführlich beschreibst …. richtig und zu Recht beschreibst.
    Für mich steht die Frage schon seit langer Zeit unbeantwortet im Raum, wie ich meine politischen Ansichten, die (leider) in vielen Punkten nicht mehr mit denen meiner Partei, der SPD, in Einklang zu bringen sind, aber auch nicht bei den politischen „Gegnern“, wie ich sie noch aus früheren Jahren kannte, wie ich also meine Ansichten, Gedanken und Einstellungen mit Leuten diskutieren kann. Das Parteiensystem, wie es bis heute funktioniert, läßt doch die nötige Offenheit gar nicht zu. Und bei den neuen Medien, wie eben facebook oder vielen Blogs, trifft exakt das zu, was Du so gut beschreibst. Wie entrinne ich diesem Dilemma? Und was kann ich tun, abseits der Filter und Algotihmen? Keine Ahnung, nur das dumpfe Gefühl, dass ich viel mehr fremdbestimmt werde, als ich es je in meinem Leben war, durch Phänomene, die mir ebenso suspekt wie unberechenbar erscheinen.
    Trotz und alledem… liebe Grüße von Ulrike

  3. Pingback: gedanken zum wahlsieg von donald trump – OFFENES TREFFEN / 09.12. – 20.00, gessneralle 11, zürich | (nD)

  4. Hallo, ich habe den Text gelesen und finde, du stellst die richtigen Fragen und hast gute Ansätze. Ich bin seit vielen Jahren ein sehr unregelmäßiger facebook-user und nutze auch sonst die sozialen Netze nur sehr wenig. Es erschreckt mich, welche Veränderungen diese neuen Un-/Möglichkeiten ergeben. Leider konnte ich nicht nach Zürich kommen – ist doch ein bisschen weit. Aber ich würde gern auf dem Laufenden bleiben und auch in der Diskussion mitmachen. Ich glaube, wir müssen hier so etwas Ähnliches wie „zivilen Aufstand“ leisten, also nicht zivilen Ungehorsam, aber doch deutlich den Mund aufmachen. Denn was kommt als Nächstes? Nach Putin, Erdogan und Trump? Kommt jetzt Le Pen und dann Frauke Petri – Hilfe! Wenn man sich die Diskussion der letzten Wochen um fake-news ansieht, könnte einem Angst und Bange werden – oder man unternimmt etwas ….

  5. he kriese und andere lesende! jetzt ist dieser post zwar schon recht alt aber.. die gruseligen Meldungen um Trump nehmen ja immer weiter zu (1) Erstmal bin ich recht begeistert über die Gedanken zu Algorithmen und Filter-Bubbles. Ich denke da ähnlich, hab das aber noch nicht in diesen Zusammenhang gedacht. Mir ist bisher als schlauester Gedanke zu seinem vollkommen bekloppten Auftreten die Parallele zu Vladimir Putins PR oder auch – etwas anders – Merkels Un-Politik (Die Raute!) gekommen (2). Das Resultat ist das gleiche: Die Herrschenden können machen was sie wollen, die Wahlversprechen sind komplett egal, die Bevölkerung ist Spielball der verschiedenen Exekutiven. Das furchtbare ist ja, dass selbst das Ausscheiden aus Facebook, Smartphone etc. (was ja ein grossteil der radikalen linken, all die ökos und paranoiden machen und was auch ein problem ist, aber ein anderes) all diese Faktoren nicht überwindet. Es ist als ob sie die Spitze des Eisbergs aus sozialer Schichtung, städtischer Geographie, also Architektur, Einkommen, Bildung, Rasse, Geschelecht etc. sind.. Sie segregieren, trennen und spalten und machen damit wirksame Widerstandsbewegungen unmöglich. Ich denke darum ebenfalls dass es am wichtigsten ist eine widerständische Praxis zu entwickeln die die Grabenkämpfe hinter sich lässt. Und da bin ich wieder bei den guten alten Zelten. Die Stärke der Platzbesetzungen, trotz all der Probleme und ihrer Kurzlebigkeit, war doch, dass sie Menschen ganz unterschiedlicher Strömungen zusammen gebracht hat und sie praktische Politik hat machen lassen. Zuletzt habe ich in der Februarausgabe der graswurzelrevolution (www.graswurzel.net – holt euch das Abo!) den Artikel von Nikolai Huke (3) verschlungen, der daran erinnert das die Praktik des Zurückstellens der Namen eine Inspiration der spanischen Studentinnenorganisationen war, die es ermöglichte eine „kosmopolitische Erfahrung“ zu konstituieren und „sektiererische Streitigkeiten“ zu überwinden. Und genau so ist es. Das Gespräch mit Andersdenkenden, AFD-Leuten, Trumpisten, Faschos und anderen Arschgesichtern muss doch, wenn es wirklich etwas ändern will und nicht nur Fronten verhärten, davon ausgehen, dass der andere seine Meinung entwickeln kann. In dem Glauben an meine inneren Werte muss ich doch dem anderen ermöglichen, sich meine Meinung überzustreifen. Identität aber, stört dabei nur. Eine Grenze zwischen mir und dem anderen führt zu nichts, nur der Wille zur gemeinsamen Analyse, zum Austausch und der Organisation des Widerstands gegen Unrecht – d a s führt zusammen und muss ganz dringend passieren.

    ich hoffe wir alle schaffen es neben Lohnarbeit, Carework und anderem etwas in Gang zu bringen dass diesen Wahnsinn stoppt.

    liebe grüsse und küsse ein ex-dringlicher der ersten stunden

    (1) http://www.track-trump.com/

    (2) http://www.nerdcore.de/2017/01/23/the-cake-is-a-lie-die-amtseinfuehrung-von-trump/

    (3) http://nhuke.blogsport.eu/

  6. Pingback: DIALOG über den wahlsieg trumps und seine folgen mit jörg scheller / TREFFEN | (nD)

  7. Pingback: HARPblog › Dialog mit Jörg Scheller über die ökonomische Dimension des Rechtsrucks, die Defizite des Linksliberalismus, den Verrat der Linkskonservativen und die Fossilierung der Postmoderne (nebst einigen Bemerkungen zu vielem anderen)

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